Der Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom
 
 
1. Textkritische Fragen
2. Literarkritische Fragen
3. Die Adressaten
4. Abfassungsort und - zeit
5. Anlass zur Abfassung
6. Theologische Gegner?
7. Gliederung



 
1. Textkritische Fragen
Alle verschiedenen Varianten wurden dann durch Konflation zu fast allen erdenklichen Möglichkeiten kombiniert.
 
 
2. Literarkritische Fragen

Literarkritische Probleme gibt es v. a. am Briefende: Kap.16 stellt eine einzigartig lange Grußliste dar. Im 18.Jhdt entstand die These, dass diese Grußliste zu einem Briefexemplar für die Gemeinde in Ephesus gehörte (verbunden m. d. anschriftlosen Handschrift). Kap.16 wäre demnach abzutrennen. Dafür spricht:

Dagegen spricht allerdings: Es wäre auch denkbar, dass in 16,1-23 der Briefschluss des Briefes nach Ephesus überliefert ist, aus dem Teile (z.B. 16,21-23) aber auch nach Rom gingen.

Paulus greift wahrscheinlich auf einige Traditionsstücke zurück:

An der Echtheit des Römerbriefes ist nicht zu zweifeln
 
 
3. Die Adressaten

Über den Adressaten, die Gemeinde in Rom, ist wenig bekannt. Es lässt sich lediglich sagen:

Röm. ist der einzigste Brief an eine nicht von Paulus selbst gegründete Gemeinde (-> Führt zu stärker dialogischem Stil - Diatribe).
 
 
4. Abfassungsort und - zeit

Über Ort und Zeit der Abfassung ist aus 15,25f zu entnehmen, dass Paulus vor seiner Reise nach Jerusalem steht, in der er die Kollekte überbringen will. Nach 15,23 sieht Paulus seine Arbeit im Osten als beendet an. Diese Situation ist auch Act.20,2ff gegeben. Dort wird berichtet, dass Paulus 3 Monate in Korinth blieb, um dann die Reise nach Palästina aufzunehmen. Röm. ist folglich zw. 55/56 und 57/58 (zu den Daten vgl. Die Biographie des Paulus) in Korinth geschrieben.
 
 
5. Anlass zur Abfassung

Über der Anlass zur Abfassung gibt es verschiedene Thesen:

Röm. ist wohl in der Mitte des Spannungsfelds zw. Reisevorbereitung, aktueller Polemik bzw. Apologie und grundsätzlicher Zusammenfassung der eigenen Theologie zu sehen.
Dem entspricht auch, dass Röm. besonders die dialogischen Elemente des Diatribenstils zeigt. Auf weite Strecken ist er oft eher theologisches Traktat als Brief (z.B. im Vergleich mit Gal., wo die gleiche Thematik behandelt wird). Röm. ist folglich viel theoretischer als Gal. und 1./2.Kor.
 
 
6. Theologische Gegner?

Röm. 2,1ff wehrt sich Paulus gegen den "Kritiker", der meint vor Gott bestehen zu können. 3,1ff und 6,1ff wehrt er sich gegen Angriffe a. s. Rechtfertigungslehre. Unsicher ist, ob hier echte od. fiktive Kritik aufgegriffen wird. Dazu verschiedene Positionen:

Alle drei Hypothesen nehmen einen zu konkreten Anlass an. Dabei wird verkannt, dass Paulus sich hier grundsätzlicher als in seinen anderen Briefen äußert. Dabei geht sicher die Erfahrung von früheren Auseinandersetzungen mit ein. Paulus will also in die ihn nicht kennenden Gemeinde aufkommende Kritik vorwegnehmend entkräften.
 
 
7. Gliederung

Die Gliederung ist sehr klar und Übersichtlich. Lediglich ist umstritten, ob besser 1,18-4,25/5-8 oder 1,18-5,21/6-8 gegliedert werden sollte. Conzelmann spricht sich gegen eine Gliederung des ersten Teiles 1-8 in 1-5 Rechtfertigung und 6-8 Heiligung aus, da dieses Schema unpaulinisch und nachreformatorisch ist und in 4,25 der entscheidende Einschnitt sei. Gegen eine solche Gliederung spricht jedoch nach Theißen:

Ein Neuansatz liegt deshalb in 6,1ff und 9,1ff. Jedoch sind weder 6-8 noch 9-11 aus dem Gesamtzusammenhang herauslösbar.
 


Literatur: Conzelmann/Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, S.242-250; W.G.Kümmel, Einleitung in das Neue Testament, S.266-279; Vorlesungsmitschrift G.Theißen, Römerbrief, WS 85/86.



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