| 1. Echtheit
2. Die Adressaten 3. Abfassungsort und -zeit 4. Anlass zur Abfassung 5. Aufbau 6. Ansätze zur Interpretation |
| 1. Echtheit |
Die Echtheit des Gal. ist nicht zu bestreiten.
| 2. Die Adressaten |
Der Empfängerkreis (geographische Gegend) und damit verbunden auch
die theologische Position der Gegner ist umstritten. Zunächst ist
festzuhalten, dass mit dem Namen Galater Kelten angesprochen wurden,
die um 300 vChr. in Kleinasien eindrangen und im Gebiet um Ankara (damals
Ankyra), der Landschaft Galatien sesshaft wurden. Paulus hat dort
wohl auf seiner "zweiten Missionsreise" Gemeinden gegründet (Act.16,6)
und sie auf seiner "dritten Missionsreise" nochmals besucht (Act.18,23;
dazu würde Gal.4,13 gut passen, wo Paulus davon spricht, dass er krank
war, als er das erste Mal bei den Galatern gewesen war). Nun gibt es aber
auch eine römische Provinz Galatia, die mehr umfasst als die
Landschaft Galatien. Zu ihr gehören die ganzen südkleinasiatischen
Gebiete
(Antiochia, Ikonium, Lystra), die Paulus schon während seiner "ersten
Missionsreise" besuchte. Die Bewohner waren dort allerdings keine Kelten.
Auch sie könnten (über den Provinznamen) als Galater angesprochen
werden.
Der Hintergrund der Diskussion um den Empfängerkreis besteht in
der Frage, ob die Gemeinde rein heidenchristlich war (anzunehmen
in der Landschaft Galatien), oder ob es darin auch Judenchristen gab
(Anzunehmen für die Provinz Galatien).
Folgende Argumente gibt es:
| 3. Abfassungsort und -zeit |
Abfassungszeit und -ort bleiben sind kaum zu bestimmen und hängen
von der Empfängerhypothese ab. Wenn die südgalatische Hypothese
stimmt, ist eine Abfassung schon während der zweiten Reise in Korinth
möglich. Ist die nordgalatische Hypothese richtig, so ist frühestens
mit einer Abfassung auf der dritten Missionsreise nach dem Besuch in Galatien
zu rechnen. Wahrscheinlich ist dann am ehesten eine Abfassung während
Pauli Aufenthalt in Ephesus (ca. 54-55) oder auch in Mazedonien (wo 2.Kor
geschrieben ist). Ob allerdings die inhaltliche Nähe zu Röm.
auch unbedingt auf eine zeitliche Nähe schließen lässt
und damit die nordgalatische These unterstützt ist umstritten. Jedenfalls
ist Gal. vor Röm. entstanden, da Röm. Thesen von Gal.
weiter entwickelt und ausdifferenziert.
| 4. Anlass zur Abfassung |
Die Empfänger des Briefes sind Heidenchristen (4,8; 5,2f;
6,12f), die von judenchristlichen Agitatoren beeinflusst sind. Die Agitation
scheint von Einzelperson angeführt zu werden (5,7+10; 6,3). Gefordert
wird von den Galatern die Anerkennung und Befolgung der Tora (3,2;
4,21; 5,4), v.a. die Beschneidung (5,2) und die Anerkennung v. Festzeiten
(4,10). Paulus setzt dagegen sein gesetzesfreies Evangelium und sieht sich
zu grundsätzlichen Ausführungen über das Gesetz und die
Gerechtigkeit
aus Glauben (2,15-5,12), aber auch seines Apostolats für das
gesetzesfreie Evangelium (1,11-2,14) genötigt. Die judaistischen
Gegner des Paulus beriefen sich evt. auf Jerusalemer Autoritäten,
wobei offen bleiben muss, ob diese wirklich hinter ihnen standen. Exegeten
wie Schmitthals erkennen auch gnostische Elemente (4,3+9f: Verehrung
kosmischer Elemente; heilige Zeiten), aber die Argumentation könnte
einfach ein Versuch sein, die kultischen Regeln der Tora mit dem heidnischen
Götzendienst zu parallelisieren. Eine Deutung d. Gesetzes als kosmische
Erlösungslehre, die zur Lösung aus den fleischl. Bindungen hilft,
lässt sich nicht erkennen.
| 5. Aufbau |
Die Gliederung ist übersichtlich. Gal. kann quasi als Vorarbeit zu Röm. angesehen werden: es findet sich dasselbe Thema und die gleiche Aufteilung in Lehre (Gal.1-4) und Paränese (5-6), die sich noch genauer so unterscheiden lässt:
1-2 Historischer Nachweis der Gültigkeit des paulin. Apostolats
3-4 Systemat. Nachweis über Rechtfertigung u. Freiheit v. Gesetz
5-6 Ethische Konsequenzen der Rechtfertigung; Briefschluss
| 6. Ansätze zur Interpretation |
Ist Röm.von der Zurücknahme polemischer Spitzen geprägt, so ist Gal. durch und durch von aktueller Polemik bestimmt, da Pauli Lehre von der Freiheit vom Gesetz bestritten wird:
Literatur: Conzelmann/Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, S.215-220; Kümmel, Einleitung in das Neue Testament, S.256-265; Ed.Lohse, Paulus, S.98f