Der 2. Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth
 
 
1. Literarkritische Fragen und Abfassungsanlässe des Textes
2. Die Gegner des Paulus
3. Gliederung des Briefes in der vorliegenden Fassung



 
1. Literarkritische Fragen und Abfassungsanlässe des Textes

Die literarkritische Probleme sind vielfältig, da es eine Reihe von Spannungen und Uneinheitlichkeiten gibt:

Die literarkritischen Probleme sind nur zu lösen, wenn eine Rekonstruktion der Vorgeschichte des Briefes bzw. der Briefe gelingt. Da Act.20,1-3 nur kurz einen Besuch des Paulus in Korinth nach seinem langen Aufenthalt in Ephesus erwähnt, sind die Angaben aus 1. und 2.Kor auszuwerten: (Der jüngste Teil von) 2.Kor. wurde folglich von Paulus in Mazedonien verfasst, Act.20,1ff etwa ein halbes Jahr nachdem er Ephesus verlassen hatte, also wohl im Spätherbst 54 oder 55. Dass zw. beiden Briefen eine Zeit von eineinhalb Jahren liegt, ist eher unwahrscheinlich.

Auf diesem Hintergrund sind nun die literarkritischen Thesen zu beurteilen. Dass eine redaktionelle Bearbeitung vorgenommen wurde, lässt sich daran erkennen, dass in 8,18+22; 9,3 (vgl. 9,5) und 12,18 Namen gestrichen wurden. "Ganz offensichtlich haben die Herausgeber des 2.Kor ein Interesse daran gehabt, den oder die hier ursprüngl. genannten Namen zu unterdrücken" (Conzelm./Lindem, 240).

Literarkritische Hypothesen gibt es vielfältige:

Ergebnis: 2.Kor. ist wohl als Briefkomposition zu verstehen. Die Vorgeschichte und der Abfassungsanlass der einzelnen Fragmente lässt sich nicht mehr eindeutig klären. Der Brief gibt Zeugnis von einer sich mehrfach verändernden Beziehung zwischen Paulus und der Gemeinde in Korinth.
 
 
2. Die Gegner des Paulus

Die Gegner, die Paulus in den verschiedenen Passagen des Briefes angreift oder kritisiert, sind verschiedene:

3. Gliederung des Briefes in der vorliegenden Fassung

Eine Gliederung des Briefes ist nur im Groben möglich:
1-7 Apologie des Apostelamtes
8+9 Kollektenfrage
10-13 Scharfe Warnungen und Verteidigung (darin die Narrenrede)

Thematisch geht es v.a. um das paulinische Apostelamt und seine paradoxe "Herrlichkeit", womit Paulus versucht, sich gegen die verschiedensten Vorwürfe zu wehren. Paulus lehnt es dabei ab, seine Stellung und Position auf seine Fähigkeiten und Leistungen zurückzuführen. So kommt es in seiner Verteidigung zum paradoxen Selbstlob (sog. Narrenrede 11,16ff), in der v.a. der "Peristasenkatalog" (11,23-27; vgl. auch 2.Kor.6,4-10; (4,8-10); 1.Kor.4,10-13) eine wichtige Rolle hat. In allem kommt Paulus immer wieder auf einen Grundgedanken zurück: Sein Leben und seine Arbeit vollzieht sich unter dem Vorzeichen, dass die Kraft des Herrn in der Schwachheit vollendet wird (12,9).
 


Literatur: Conzelmann/Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, S.236-241; Kümmel; Einleitung in das Neue Testament, S.242 255; Ed.Lohse, Paulus, S.128f.



Copyright: Matthias Kreplin, 2000