Der Brief des Paulus an die Gemeinde in Philippi
 
 
1. Literarkritische Fragen
2. Adressat
3. Abfassungszeit und -ort
4. Anlass zur Abfassung
5. Aufbau
6. Theologische Aussageintentionen



 
1. Literarkritische Fragen

Die literarkritischen Fragen konzentrieren sich bei Phil. v.a. auf den harten Übergang von 3,1 zu 3,2. 3,1 könnte die Einleitung eines Briefschlusses sein, doch in 3,2 setzt Paulus unvermittelt mit einer Polemik gegen Judaisten, die die Beschneidung fordern ein. Wenn hier ein anderer Brief eingeschoben wird, wo endet dieser? Verschiedene Teilungshypothesen werden diskutiert:

Bei einer Teilungshypothese gibt es allerdings folgende Probleme: Es lässt sich daher weder die Einheitlichkeit, noch die literarkritische Teilung mit hinreichender Sicherheit begründen. Die Frage bleibt offen.

Die Echtheit des Phil. ist allgemein unbestritten.
 
 
2. Adressat

Adressat des Briefes ist die Gemeinde in Philippi. Philippi war eine Distrikthauptstadt in Mazedonien, eine römische Kolonie (Act.16,12), in der nur wenig Juden lebten. Berühmt war die Stadt durch die Schlacht bei Philippi (42 vChr), in der Marc Anton und Oktavian die Cäsarmörder besiegt hatten. Paulus gründete hier auf der sog. 2. Missionsreise im Jahr 48/49 seine erste Gemeinde auf europäischem Boden.
 
 
3. Abfassungszeit und -ort

Abfassungszeit und -ort sind nur sehr schwer zu ermitteln. Nach 1,12-26 schreibt Paulus diesen Brief in Gefangenschaft. Es sind drei Abfassungsorte denkbar:

Der Brief ist also wohl kaum in der römischen Gefangenschaft in Cäsaräa oder Rom entstanden. Damit ist eine Spätdatierung wohl nicht anzunehmen. Dann legt sich v.a. eine Abfassung in Ephesus nahe. Das rege Hin und Her zwischen Paulus und der Gemeinde wäre dort noch am ehesten vorstellbar. Phil. wäre dann etwa gleichzeitig wie 1.Kor. auf der sog. 3. Missionsreise Frühjahr 54 oder 55 geschrieben.
 
 
4. Anlass zur Abfassung

Das Verhältnis des Paulus zur Gemeinde ist unbelastet. Dies ist am starken Hervortreten der Stichworte ca…rein  und car£ und an der Annahme finanzieller Unterstützung (4,10ff; in Korinth abgelehnt, vgl. 2.Kor.11,9) zu erkennen.
Allerdings lässt der polemische Teil 3,2ff erkennen, dass wohl auch in Philippi judaistische (Wander-)Lehrer einzudringen drohen. Doch scheint die Situation nicht so bedenklich zu sein, dass Paulus zu einer größeren Auseinandersetzung mit diesen Lehrer ausholen müsste.
Anlass des Schreibens ist offensichtlich die bevorstehende Rückkehr der Epaphroditus, der Paulus eine Spende von der Gemeinde überbracht hat (4,10ff; v.a. 4,18), dann aber bei Paulus krank geworden war (2,26), nun aber von Paulus wieder zur Gemeinde zurückkehren will (2,26).
 
 
5. Aufbau

Phil. hat keinen übersichtlichen Aufbau. Lediglich das Proömium (1,3-11) ist scharf abgegrenzt.
 
 
6. Theologische Aussageintentionen

Theologische Stoßrichtungen gibt es mehrere:



Literatur: Conzelmann/Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, S.221-225; W.G.Kümmel, Einleitung in das Neue Testament, S.280-293.



Copyright: Matthias Kreplin, 2000