Titel
 
 



 
1. Wer ist der Verfasser?

Die Echtheitsfrage ist für Kol. schwer zu beantworten. Folgende Argumente werden für eine pseudepigraphe Entstehung vorgebracht:

Aus diesen Beobachtungen sind werden verschiedene Schlüsse gezogen:
2. Die Adressaten des Briefes

Adressat des Kol. ist die Gemeinde in Kolossä. Kolossä ist eine Stadt im Lykostal, in der Nähe von Laodicea und Hierapolis (4,13). Die Gemeinden dort sind nicht von Paulus, sondern von Epaphras gegründet (1,7; 2,1; 4,12). Der Zusammenhalt unter den Gemeinden (es wird noch Laodizea genannt; 4,15) war wohl so groß, dass sie aufgefordert werden konnten, ihre Briefe untereinander auszutauschen (4,16). Kolossä war wohl ein unbedeutender Flecken. Aus der Gemeinde ist noch Philemon und sein Sklave Onesimus näher bekannt (vgl. Phm.). Die Gemeinde bestand wohl überwiegend aus Heidenchristen (2,13; 1,21).
 
 
3. Abfassungsort und -zeit

Kol. ist wohl auch in Gefangenschaft geschrieben (4,3+10+18), theoretisch ist - paulinische Urheberschaft vorausgesetzt - eine Abfassung in Ephesus, Cäsaräa oder Rom möglich. Auch in diesem Fall ist eine genauere zeitliche Einordnung nur schwer möglich. Folgende Überlegungen werden vorgetragen:

4. Die Position der theologischen Gegner

Die theologische Front des Kol. ist nur undeutlich zu erkennen: Auch 2,16-23 lassen sich nur geringe Rückschlüsse auf die Lehre der Gegner zu: Offensichtlich kannte sie eine Verehrung der Weltelemente als personale Wesen (Dämonen, Mächte), die Elemente des kosmischen Christus seien. Daraus leiteten sie kultische Verpflichtungen verschiedenster Art ab (Feier kosmisch-zyklischer Festtage, Einhaltung gewisser Speisevorschriften, Verehrung der Engel. Sie berufen sich dabei auf gewisse Weihen (Visionen). Dieses Konglomerat ist ausgesprochen synkretistisch. Eine Einordnung in einen gnostischen Hintergrund ist rein spekulativ. Sicher findet sich auch ein stark jüdischer Einschlag. Ihre Lehre wird in 2,8 als filosof…a bezeichnet, doch steht dieser Begriff in der Spätantike auch für verschiedene Religions- und Mythenlehren. Gegen diese Lehre betont der Verfasser des Kol. die Freiheit der Christen von Mächten und damit auch von ihrer kultischen Verehrung. Zugleich mahnt er die Christen zur Liebe untereinander. Nicht die in der Meditation erstiegene Überwelt, sondern die Erde ist der Ort christlicher Existenz. Hier muss sich christliches Leben in der Liebe bewähren. Kol. bleibt hier also zentral paulinisch. Ferner wird die Christologie und Soteriologie so entfaltet, dass stark an hellenistische Vorstellungen angeknüpft wird und von dort aus eine Abwehr der Irrlehre möglich ist.
 
 
5. Der Aufbau

Die Gliederung ist recht übersichtlich:

1,1-11 Präskript und Proömium
1,12-29 Christus als Schöpfer und Versöhner
2,1-23 Polemik gegen Irrlehrer
3,1-4,6 Paränese
4,7-18 Korrespondenz und Grüße

Im wesentlichen findet sich also die Zweiteilung Lehre-Paränese.
 
 
6. Besonderheiten

Besonderheiten finden sich v.a. in den vom Autor übernommenen Stücken:

7. 

 
 
8. 


Literatur: Conzelmann/Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, S.250-255; W.G.Kümmel, Einleitung in das Neue Testament, S.294-305



Copyright: Matthias Kreplin, 2000