Der Brief an die Gemeinde in Ephesus
 
 
1. Der Autor des Epheserbriefes
2. Die literarische Abhängigkeit vom Kolosserbrief
3. Die Adressaten des Epheserbriefes
4. Abfassungsort und -zeit
5. Aufbau
6. Religionsgeschichtliche Hintergründe
7. Hauptthemen des Epheserbriefes



 
1. Der Autor des Epheserbriefes

Allgemein wird die Echtheit des Eph. bezweifelt. Gegen die Annahme, Eph. sei von Paulus verfasst, sprechen formale Beobachtungen, aber vor allem inhaltliche Unterschiede zu den echten Paulusbriefen:

Gelegentlich wird versucht, Eph. als Alterswerk des Paulus zu verstehen. Doch halten die meisten Autoren Eph für eine pseudepigraphe Schrift. Der Verfasser scheint ein Judenchrist gewesen zu sein (2,11+17). Dafür spricht auch das semitisierende Griechisch. Pseudepigraphe Schriften waren gerade in der Zeit des Hellenismus weit verbreitet, wie auch im frühen Christentum (Jeremias-, Aristeasbrief). Die entscheidende Voraussetzung für NT-Pseudepigraphie ist die Setzung des Apostolischen als Norm. Durch die literarische Fiktion bringen pseyudepigraphische Verfasser apostolische Autorität ins Spiel.
 
 
2. Die literarische Abhängigkeit vom Kolosserbrief

Zwischen Eph. und Kol. bestehen zahlreiche Berührungspunkte. Für eine literarische Abhängigkeit sprechen die Übereinstimmungen zwischen:

Doch gibt es auch Bedeutungsverschiebungen zw. Kol. und Eph.: Dennoch ist von einer literarischen Abhängigkeit auszugehen. Kol. hat dabei die zeitliche Priorität vor Eph., denn Eph. gilt darum als aufs "Grundsätzliche" bezogene Überarbeitung des Kol.
 
 
3. Die Adressaten des Epheserbriefes

Eph. hat in den ältesten Handschriften (P46, ), B) keinen Adressaten, in 1,1 fehlt das ™n 'EfšsJ. Dies lässt sich auf verschiedene Weise erklären:

Die Frage ist schwer zu entscheiden.

Ephesus, die größte Stadt Kleinasiens, war mehrere Jahre das Missionszentrum des Paulus in Kleinasien. Die Gemeinde dort ist wohl von Paulus gegründet worden (Act.18,19ff; 19,1+8ff). Hier schrieb er wichtige Briefe und verbrachte lange Zeit dort.

Die Leser werden als Heidenchristen angesprochen (2,1ff; 3,1; 4,17).
 
 
4. Abfassungsort und -zeit

Abfassungsort und -zeit sind nicht zu ermitteln. Da Ignatius von Antiochien den Eph. kennt, ergibt sich das 1.Jahrzehnt des 2.Jhdts. als untere Grenze. Eph scheint die anderen Paulusbriefe gut zu kennen, deshalb liegt seine Abfassung nach Kümmel wahrscheinlich zw. 80 und 100. Eph. gibt sich wie Kol. und Phil. als Gefangenschaftsbrief (3,1; 4,1; 6,20).
 
 
5. Aufbau

Die Nähe zu Kol. zeigt sich bis in die Gliederung hinein: Beide Briefe haben einen parallelen Aufbau:
 
Eph.1-3
Lehre
Kol.1-2 
Eph.4-6
Paränese
Kol.3-4
   
 
6. Religionsgeschichtliche Hintergründe 

Die dualistische Kampfethik (6,10ff; Anziehen der Waffenrüstung Gottes) erinnert zunächst am Qumran.

Umstritten ist die religionsgeschichtliche Einordnung, denn Eph. scheint ein gegenüber dem traditionellen dreistöckigen Weltbild eine veränderte Kosmologie zu besitzen: Die Welt ist im Prinzip zweigeteilt: Unten ist Erde, darüber sind "die Himmel" in mehreren Zonen: unten finden sich Teufel und "Luftgeister" (2,2), die Menschen ragen hier hinein; darüber stehen Gott und Christus als Herr über alle Mächte und als Haupt der bis in den Himmel ragenden Kirche (1,21-23). Die Christen als Menschen "in Christus" sind dem Teufel entzogen und befinden sich auch im Himmel (2,3-6).Sie sind zwar den Angriffen der Mächte zwar noch ausgesetzt, aber sie sind des Sieges gewiß (6,10ff). Es gibt Ähnlichkeiten zu gnostischem Weltbild, doch ist dort zusätzlich eine "Mauer" zwischen unterem und oberem Himmel konstitutiv. Nur der Gnostiker vermag sie mit Hilfe des Erlösers zu überwinden.

Es ist umstritten, ob 2,14, wo von einer trennenden Wand zwischen den beiden Teilen gesprochen wird, von daher zu verstehen ist. Folgende Möglichkeiten bieten sich an:

7. Hauptthemen des Epheserbriefes

Folgende theologischen Hauptthemen werden in Eph. behandelt:


Literatur: Conzelmann/Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, S.256-261; Kümmel, Einleitung in das Neue Testament, S.308-323


Copyright: Matthias Kreplin, 2000